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Into the Wild

Uiuiui jetzt bin ich schon fast eine Woche hier und habe noch nichts auf meinem hofierten Blog hinterlassen. Eigentlich bin ich viel zu müde, aber ich kenne ein paar Menschen, die auf einen Eintrag und Fotos warten, also werde ich jetzt meine Konzentration bündeln und losbloggen…

Ich bin am Dienstagabend ins Flugzeug gestiegen und nach Dubai geflogen. Nach einem unplanmäßig tränenschweren Abschied von meinem Liebsten am Düsseldorfer Flughafen (ich hatte eigentlich geplant nicht zu weinen, aber ihr wisst ja wie das ist… Mädels) und einem gescheiterten Aufmunterungsversuchs eines Sicherheitsbeamten während des Security Checks („Weinen Sie doch nicht, junge Frau“), überraschte mich eine Stewardess beim Boarding mit einem Business-Class-Ticket. Ich schritt nun nicht mehr weinend, sondern grinsend den Korridor zum Flugzeug hinunter. Den bequemen Sitz und die beinahe kilometerweite Beinfreiheit feierte ich erstmal mit einem Glas Champagner!

Den Rest verkneife ich mir. Nur so viel: Ich war so damit beschäftigt den Komfort eines Business-Class-Tickets zu genießen, dass ich gar keine Zeit hatte Angst zu haben. Gott ist ein freundlicher Gott.

In Dubai waren es bereits um 6.00 Uhr 35°C. Natürlich war die Abflughalle klimatisiert und natürlich fand ich dort Starbucks, wo ich meine Wartezeit mit einem köstlichen, nicht-aeroplanen  Kaffee auf einem gemütlichen, olivfarbenen Sofa verbrachte (Liebste Schwägerin, vielen Dank für deine restlichen Dirhams!).

Der zweite Flug dauerte ungefähr 3 Wochen, aber als ich endlich in Johannesburg ankam, waren Monotonie und Verspannungen schnell vergessen. Meine Gastfamilie, die Floors, nahmen mich mit so einer Herzlichkeit auf, dass ich mich hier direkt vom ersten Abend an zuhause gefühlt habe. Ebenso im Büro. Gleich am ersten Tag fand dort ein Treffen mit vielen Wyclifflern statt, die mich so liebevoll begrüßten, als hätten sie schon sehr lange auf mich gewartet (Eine Frau war gerade erst in Deutschland und hat mir zur Begrüßung ein großes Sortiment Meßmer-Tee geschenkt, suuwheeet!). Das haben sie, versicherte mir eine Dame. Sie sind sehr gespannt auf das Projekt und legen große Hoffnung hinein. Um das Projekt und die Workshops habe ich mich in den ersten Tagen hier in Johannesburg intensiv gekümmert. Ich saß viel am Computer und hatte wenig Zeit die Gegend zu erkunden. Mir wurde klar: das hier ist kein Urlaub.

Trotzdem hatte ich hier und da die Möglichkeit etwas mehr als nur das Büro zu sehen und habe festgestellt: Johannesburg steckt voller Diversitäten. In keiner anderen Stadt, in der ich war, waren die Trennlinien zwischen Arm und Reich so offensichtlich wie hier. Während in üppig begrünten Vororten  hinter hohen Mauern und Stacheldrahtzaun (sogenannte „fenced communities“) opulente Villen der Weißen  prunken, dehnen sich nur ein oder zwei Meilen entfernt davon weite Barackensiedlungen aus, in denen Millionen Schwarze in großer Armut leben. Kriminalität ist das wahrscheinlich größte Problem des Landes. Johannesburg gilt als gefährlichste Ecke. Aber macht euch keine Sorgen! Die meisten Wohnhäuser sind mit Alarmanlagen, Gittern, hohen Zäunen und elektronisch gesteuerten Eingangstoren ausgestattet – und mit Hunden. Bei Floors ist es genauso. Ihr Wachhund ist eine folgsame Hündin namens Anquilla mit treuen Augen, aber einem entwaffnenden Knurren.

Heute, am 9. August 2010, ist National Women’s Day in Südafrika. Der nationale Frauentag gedenkt dem Frauenmarsch vom 9.August 1956. Damals versammelten sich ca.20.000 Frauen vor dem Union Gebäude in Pretoria, um gegen das Passgesetz zu demonstrieren. Wir haben den Feiertag genutzt, um aus der Stadt rauszukommen. Wir, das waren Floors, Heather und Jeff (ein junges Ehepaar aus den Staaten, mit dem ich am Mittwoch nach Howick fahren werde) und ich sind in den etwa zwei Stunden entfernten Pilanesberg National Park gefahren. Allein der Weg dorthin war beeindruckend, wurde aber vom Wildschutzgebiet mit seiner von Bergen eingerahmte Savanne und der immensen Artenvielfalt getoppt.

Wir haben einige Tiere gesehen! In der Mittagszeit unterbrachen wir unsere kleine Safaritour mit einem braai am wunderbar blauen Leopardensee. Braai ist kurz für braaivleis, dem afrikaansen Wort für „Fleisch vom Grill“, also quasi BBQ. Traditionell wird dabei immer boerewoers gebraten, eine grobe Bratwurst und südafrikanische Spezialität. Mittelmäßig lecker.

Beim Braai wurden wir von vier furchtlosen vervet monkeys observiert, die großes Interesse an unserem Essen zeigten. Der zweite Teil unserer Safari war sehr ergiebig, als plötzlich eine Horde Elefanten unseren Weg kreuzte und ein Nashorn ungerührt der vielen Touristen in die Savanne pinkelte. Insgesamt konnten wir zwei von den  „big five“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Safari), eine wunderschöne Giraffe und Zebras sehen.

Es tat so gut aus der Stadt rauszukommen und frische Luft, wunderschöne Tiere, beeindruckende Natur zu genießen. Habe den Tag sehr genossen, wohlwissend dass es morgen früh wieder zurück ins Büro geht und am Mittwoch meine Arbeit hier in Südafrika „richtig“ beginnt.

Wenn 15 Leute bei Außentemperaturen von über 30°C freiwillig den ganzen Tag in einem unklimatisierten Seminarraum verbringen, um sich mit Sprachforschung und deren praktische Anwendung in der Bibelübersetzung auseinanderzusetzen, kann das nur eines bedeuten: entweder sind sie total bescheuert oder begeistert von Gott.

Letzteres traf auf die Teilnehmer des Grundkurses „Spracharbeit im Überblick“ vergangene Woche in Burbach zu. Wycliff öffnete seine Türen für Neugierige, die sich tagelang mit Phonetik, Phonologie, Grammatik, Semantik und Bibelübersetzung beschäftigten. Ich habe mich erst am Donnerstagabend dazugesellt und war zunächst geschockt vom straffen Stundenplan (Von morgens bis abends Kurse – an einem Freitag! Der Alptraum einer Studentin…), dann aber begeistert, vor allem von Bibelübersetzung.

Festhalten für euch treue Leser will ich folgendes:

Eine Bibel lässt sich gar nicht so einfach übersetzen. Wie zum Beispiel soll man den Eskimos, die über 20 verschiedene Worte für „Schnee“, aber keine Ausdrücke für viele Pflanzen und Tiere aus dem subtropischen Wüstenklimas Israels kennen, erklären, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem kam und die Einwohner ihn begeistert begrüßten, indem sie mit Palmenblättern um sich wedelten? Bibelübersetzer zu sein ist gar nicht so leicht. Davon konnte Luther sicherlich ein Liedchen singen, denn auch er hatte seine Probleme mit unserer Sprache. Zu seiner Zeit waren viele Begriffe aus der Bibel hierzulande unbekannt. Deshalb fand er Lösungsmöglichkeiten für fehlende Wörter, die uns bis heute nicht weh tun. Ob nun eine Lilie oder eine Anemone Coronaria auf dem Feld steht und wächst (Matthäus 6, 27)…

Es gibt Möglichkeiten, um die Löcher in der Sprache zu stopfen. Das macht bestimmt nicht immer Spaß, kann aber, wie in dem Fall der Azteken von Zacapoaxtla in Mexiko sehr bezaubern: „Glauben“ bedeutet in ihrer Sprache nämlich „dicht hinter dem Anführer (der den Weg kennt) gehen“.

Es hat sich also gelohnt die strapaziösen und fast dramatischen Bedingungen in unklimatisierten öffentlichen Verkehrsmitteln auf mich zu nehmen und in das kleine Siegerländ’sche Dorf und wieder hinaus zu fahren. Auf der Rückfahrt, bei gefühlten 40°C (ein Motz-Beitrag über meinen Freund, die deutsche Bahn, wird in Kürze folgen…) fiel mir das Lied ein, in dem es heißt „You are beautiful beyond description, too marvellous for words“ und ich dachte, vielleicht hat der alte Shakepeare recht, wenn er sagt, dass es mehr Ding’ im Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt. Und das es nicht so schlimm ist, wenn es nicht immer gelingt, einen so großen und schönen Gott wie unseren in Wörter einzusperren…

Schwer beeindruckte Grüße

Pfannenkuchenstimmung!

…aktuell nicht in Deutschland, aber in mir.

Habe heute erfahren, dass ich nur zwei statt drei Hausarbeiten schreiben muss. Das war wie als hätte Gott Konfettiregen über mein Haupt gestreut. Eine davon liegt bereits in den letzten Zügen, für die andere habe ich noch nach Südafrika genug Zeit. Die Gedanken sind nun frei für die anstehenden Prüfungen. Habe die Leichtigkeit jedoch erstmal mit einem Stadtbummel gefeiert, statt vorm Laptop.

Entspannte Grüße

Die Zeit läuft…

 

Ein Monat bis Südafrika!

Alle Versuche meinen Terminplaner bis dahin so leer wie möglich zu halten sind gescheitert. Hinzu gesellen sich eine dicke Hausarbeit, eine mündliche Prüfung und Klausuren. Uiuiui…

Bin erstaunlich ruhig, was ich auf meinen Freund, den Gott, schiebe. Er macht, dass ich zwischendurch nachhaltig durchatmen kann, oder über kleine Dinge schmunzeln. Wie heute Abend als ich an meiner Hausarbeit schrieb und sich mir folgendes Bild bot:

 Fühlte mich an die Stelle in Psalm 23 erinnert

„Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein“ (man beachte das Weinglas zu meinen Füßen)

 Schampus für Christus!

Kommt es nur mir so vor, oder ist unser Land ein bisschen schwarz-rot-goldiger geworden?

Es ist doch irgendwie schön, dass ein Land mit so vielen Selbstzweifeln in diesen Wochen ein bisschen Nationalstolz zeigt – trotz wimmelnder Rücktritte und Streitereien unter unseren Politikern und insbesondere der in NRW gegenwärtigen Hängepartie.

Wir sind eben mehr als unsere Politik.

Denke ernsthaft darüber nach, Flagge zu zeigen. Anreize dafür findet man hier im Pott nicht allein in den Vorgärten, sondern auch in öffentlichen Verkehrsmitteln…

Patriotische Grüße!

Uiuiui

Gestern, zwischen Unizwergen wickeln und herumtragen, Seminaren besuchen, AkaFö ausfragen, Großeinkauf und SMDler treffen, habe ich es bis ins Reisebüro geschafft und mir ein paar Flüge angeguckt und da war sie: die Vorfreude auf Südafrika! Zwei Monate in diesem schönen Land zu leben, Menschen kennen zu lernen und für eine Organisation zu arbeiten, der es am Herzen liegt, Menschen mit Gott bekannt zu machen, bringen meinen Bauch zum kribbeln. Und das Beste ist, dass Gott mittendrin ist. Jetzt schon. Er weiß wie er mich zum Lachen bringt, trotz 3 Hauarbeiten, Überstunden bei den Zwergen und meiner chaotischer Haushalterei (hier müsste mal jemand putzen…). Was mich sonst noch glücklich macht:

* Maispaziergänge mit der Familie

* Die Lernerfolge meines fleißigen Medizinmannes

* Schubert

* Amselgesang und Blütenduft (mmmm)

* Die krabbelnden und tapsenden Unizwerge

* Den Dingen, die tagsüber liegen geblieben,  trotzen und Nachts viel schlafen 

* Familientreffen

* mit Gott früh am Morgen Kaffee trinken

* SMD Bochum

* aufwendig kochen

* Kuchen für Geburtstakskinder backen

Kribbelige Grüße

Ich habe heute…

…meine Weinterjacke wieder ausgepackt.

Frechheit!

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