Irgendwie ist Blogpflege nicht so mein Ding. Ich habe in den letzten Tagen immer mal wieder Versuche gestartet, die aber irgendwo zwischen den letzten Workshops und quality time mit meinen Gastfamilien verebbt sind. Die letzten zwei Wochen waren recht ereignisreich. Deshalb gibt es die Highlights jetzt eher stichpunktartig, aber immerhin mit Bildern.
Vorletztes Wochenende war ich im gewellten Pretoria, wo der Frühling schon etwas weiter ist als im trockenen Johannesburg, und dort an drei Abenden und einem Vormittag in einer afrikaanssprechenden Gemeinde. Glücklicherweise werden die Kinder dort schon ab der ersten Klasse englisch unterrichtet, so dass mich niemand während meines Workshops übersetzen musste. Jedoch konnte mir keiner übersetzen was diese süßen, kichernden Mädels sich während des Gemeinde – Braais geheimnisvoll ins Ohr flüsterten.
Untergebracht war ich bei einer wundervollen Frau namens Stephanie. Stephanie hat ein großen Herz und hat mich sehr verwöhnt. Was gibt es besseres als einen Samstagnachmittag mit Brownies und einer Tasse Kakao vor dem Fernseher zu verbringen und sich Filme anzuschauen? (Übrigens, Familie Korte, Stephanie hatte einen rothaarigen Kater namens Benji, der mich offensichtlich sehr an Benni erinnert hat. Zwar war er nicht ganz so dick, aber mindestens genau so faul)
Außer mir war Kyle*, ein Missionar aus Pakistan in dem schönen unordentlichen Haus mit den vielen Zimmern untergebracht, der sich gerade auf Heimaturlaub befand. Wir hatten viele gute Gespräche in Pyjamas und vor dem Fernseher. Gemeindebau in Pakistan, sagt er, ist eine heikle Angelegenheit. Zwar darf man dort Kirchen bauen, aber keine Gemeinde. Sobald die pakistanische Regierung mitkriegt, dass einheimische Muslime zur Konvertierung „überredet“ werden, wird man entweder im Gefängnis ein- oder dem Land ausgesperrt. Zudem ist das Land extrem gefährlich. Zwei seiner Freunde, die für eine christliche Hilfsorganisation als Augenärzte in einem Kabuler Krankenhaus arbeiteten, wurden im August auf ihrem Weg von Badachschan in die Nachbarprovinz Nuristan von den Taliban erschossen. Ich bin immer wieder beeindruckt von Menschen, die sich trotz Risiken für ein Land wie dieses entscheiden, um den Menschen dort christliche Wert zu vermitteln. Im Grunde wäre es klüger für Kyle und seine Frau ihr Licht in einem Land wie diesen nicht allzu hell scheinen zu lassen. Doch als Kyle lächelnd und strahlend von seiner Arbeit berichtete, dämmerte mir, dass er gar nicht anders kann.
Am Dienstag danach habe ich in der Maranatha Christian School in Kempton Park innerhalb 6 Stunden 11 unterschiedliche Klassen über die Arbeit von Wycliffe Bible Translators unterrichtet, was zwar anstrengend war, aber extrem viel Spaß gemacht hat. Im Vorfeld habe ich 500 Lesezeichen für jeden Schüler ausgeschnitten, deren Überreste von vier neugierigen Mädels originell recycelt wurden.
Letztes Wochenende fand mein letzter Workshop in der Honeyridge Baptist Church am anderen Ende Johannesburgs statt. Zum letzten Mal habe ich südafrikanischen Kindern erklärt, dass es 6.913 Sprachen auf der Welt gibt, von denen über 2000 noch keinen Zugang zur Bibel haben, wie man eine Bibel übersetzt und wie sie dabei helfen können. Man weiß nie was man hinterlässt in diesen vielen Kinderherzen. Vielleicht habe ich potentielle Bibelübersetzer unterrichtet? Wer weiß das schon.
Auch diesmal hat meine Gastfamilie mich wieder gehörig verwöhnt und mich zu den schönsten Ecken Honeyridges gebracht (wovon es leider keine Bilder gibt, weil meine Batterien pünktlich zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben zu versagen) , nämlich zur Waterfront (wo ich seit Wochen mal wieder Wasser gesehen habe, wenn auch tümpelhaft), zum Monte Casino (was mich extrem an das Venitian in Las Vegas erinnert hat) und den Bird Gardens (wo ich mit einem Tukan flirtete und ein kunterbunter Papagei erst am Ohr und dann am Eis meines Gastvaters knabberte) und zu einem Restaurant namens „Boma“ wo es lauter südafrikanischer Spezialitäten gab, von denen ich so viel gegessen habe, dass ich dachte, es reiche für die nächsten 30 Jahre.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen habe ich in der südafrikanischen Frühlingssonne gesessen und allmählich realisiert, dass meine Zeit hier langsam zuende geht. Ich staune über die letzten 7 Wochen, die sich in Wirklichkeit viel länger anfühlen. Und es macht mich traurig, wenn ich daran denke Abschied zu nehmen. Und gleichzeitig freue ich mich auf zuhause. Doch zuerst freue ich mich auf meinen David, der in ein paar Tagen hier landen wird und dann gleich weiter mit mir nach Kapstadt fliegen muss, wo wir Robben Island, Table Mountain, Weinberge und viele andere Schönigkeiten bestaunen werden, bevor es zurück geht nach Deutschland.
Ps.
Das habe ich noch in meinen Notizen gefunden:
Seit über 7 Wochen lebe ich in der zweitgefährlichsten Stadt der Welt. Bisher wurde Ich weder ausgeraubt noch gekidnappt, belästigt, drangsaliert oder terrorisiert. Ich habe weder Kamera, Geld oder Handy an Kleptomanen verloren. Dafür allerdings die Freiheit. „Es ist schon paradox“, sagte mal einer meiner vielen südafrikanischen Gastmütter, „Wir sind die Eingesperrten, während sich die wirklich Bösen in Freiheit befinden“. Dass man ständig eingesperrt ist in diesen Hochsicherheitstrakten, umgeben von elektrischen Zäunen oder wahlweise mannshohen Mauern, Sicherheit auf Kosten der Freiheit – dieses Konzept kann einem sprichwörtlich auf die Nerven gehen. Deshalb gehe ich jetzt jeden Tag trotzig spazieren, mit Hund. Alles andere wäre naiv.






