Liebe Leute, tut mir leid dass ihr so lange auf meinen nächsten Blogeintrag warten musstet, aber in den letzten Tagen hatte ich eher rudimentären Internetzugang und zudem wenig Zeit zu schreiben… Bevor ich euch von meinen letzten Tagen erzähle, würde ich gerne mit diesem bezaubernden Mädchen angeben:
Willkommen Noemi Johanna! Wie schön, dass unsere Familie expandiert!
Worüber ich mich noch so freue…
- Dass mein Liebster Ende September zu Besuch kommt und wir zusammen zurück nach Deutschland fliegen
- Frühling in Johannesburg
- Sale
- Keith Green’s Biographie (Danke Jungs, sie ist wirklich inspirierend!)
Letzte Woche bin ich in 3 Flugzeuge gestiegen, um den wunderschönen Ort in Mosambik zu erreichen, der sich Nampula nennt. Nampula liegt im Norden Mosambiks und ist ganz anders als Johannesburg: die Straßen (das Wort „Schlagloch“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung), die Landschaft (Palmen, Palmen, Palmen vor unförmigen Bergketten) und natürlich die Sprache (Portugiesisch …♥).
Zudem gibt es hier unzählige, freche Moskitos von denen ich kurz nach meiner Ankunft gleich drei Mal in den Rücken gepiekt wurde. Neben dieser eher feindseligen Begrüßung folgten viele freundliche, als wir das SIL Gelände erreichten. Karen und ich wurden in dem Haus unserer Freundin Peggy, einer Lehrerin aus den Staaten untergebracht. Die Leute auf dem Gelände sagen, dass es wohl das schönste Haus Nampulas ist und sie haben Recht.

Der Grund warum sich so viele Familien auf dem SIL Gelände tummelten war der, dass dort eine Konferenz über Heimunterricht stattfand. Während sich die Eltern sich also über Allgebra zwischen Bibelübersetzung und Kochtopf informierten, war es meine Aufgabe ihre zwei- bis dreisprachigen Kinder zu beschäftigen. Weil sie aber mit den meisten Dingen, die für beide Vormittage auf meinem Plan standen, bereits vertraut waren und lieber ihre Ferien genießen wollten, haben wir die meiste Zeit auf dem Boden der kleinen, aber opulenten Schulbibliothek verbracht – oder auf Bäumen.
Die Nachmittage waren frei. Erica, eine junge amerikanische Lehrerin, nahm mich an einem Nachmittag raus aus dem „weißen Enklave“ und rein in die Stadt Nampulas. Nampula ist nicht groß, aber auch nicht klein genug, um zu Fuß von einem zum anderen Ende zu laufen, wie wir es vorhatten. Also sprangen wir in einen „Hamahama“. Hamahamas, auch „Shopper“ genannt, sind Kleinbusse, die von gesellschaftlich anerkannten Verkehrssündern, die oftmals gar keinen Führerschein besitzen, gefahren werden. Da sie aber ziemlich preiswert sind und neben Flugzeugen zu den zuverlässlichsten öffentlichen Verkehrsmitteln hier gehören, sind sie meisten bis über den letzten Platz hinaus belegt. „Sitzplatz“ ist ein relativer Begriff in einem Hamahama. Rechts von mir, von zwei großen Taschen verdeckt, saß Erica, links eine stillende Mutter mit Baby, vor mir ein älterer Herr mit grauem Haar der mir ein zahnloses Lächeln zuwarf. So ziemlich der einzige, den ich in Nampula gesehen habe. Alte Menschen sind eine Rarität in Mosambik. Die meisten Menschen werden nicht älter als 40 Jahre. Das liegt vor allem an der schlechten ärztlichen Versorgung. Malaria ist eine häufige Todesursache. Aids gehört auch dazu.
Aids ist auch der Grund warum so viele Kinder ohne Eltern aufwachsen. Das Kinderheim, das Erica und ich an diesem Nachmittag besuchten, beherbergt ein paar dieser Aidswaisen. Schöne Kinder. Leider konnte ich sie nicht verstehen, da die einzigen portugiesischen Wortfetzen die ich kenne aus dem Lied „Garota de Ipanema“ stammen, das der Vater meiner brasilianischen Freundin Marcela mit mir auf ihrer Hochzeit gesungen hat – und die halfen mir nicht wirklich weiter. Die Kinder taten es aber, indem es ihnen egal war und sie mich trotzdem an die Hand nahmen, herumführten und meine Haare bewunderten.
Auf dem Rückweg erzählte mir Erica, dass viele von ihnen Aids haben und keiner so genau weiß, wie lange sie leben werden. Ihr Freund machte uns in ihrem Apartment ein afrikanisches Abendessen, „Schima“ und „Matapa“ mit Fisch, das wir ohne Besteck zu uns nahmen. Meine Finger rochen noch, als ich schon im Bett lag. Der Abschluss einer T.I.A. – Erfahrung die es absolut wert war!
Donnerstagmorgen frühstückte ich mit einer deutschen Missionarsfamilie, die ich bereits in Johannesburg, als sie grade frisch nach einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland zurück nach Afrika gekommen waren, kennen gelernt habe. Die Zeit mit Ihnen war wieder viel zu kurz, aber wertvoll. Kriege langsam den Eindruck, dass es sich bei Missionaren um ziemlich gewöhnliche Menschen handelt…
Danach zum Flughafen. Auf dem Rücken eines Pickup-Trucks. Bei den überdimensionalen Schlaglöchern nicht ganz so entspannend, aber die nampulanische Brise in meinem Gesicht war es mir wert.
Zurück in Johannesburg fand am Wochenende mein nächster Workshop in der Wychwood Baptist Church statt. Eine temperamentvolle Gemeinde mit einer vorbildlichen Einstellung. Freitagabend fahren unzählige Gemeindemitglieder mit ihren Autos durch die Umgebung um Kinder von überall her aufzugabeln um sie zu „Awana“, dem Freitagskindergottesdienst zu bringen. 120 von ihnen waren am Freitag anwesend! Über 30 am Samstag. Viel mehr am Sonntag.
Die Sonntagsschule findet vor dem Gottesdienst statt, so dass die Kinder mit dabei sein können. Bilderbuchhaft. Ein Satz von Roy Tibbit, ein langjähriger Missionar von Wycliffe, der an diesem Morgen im Gottesdienst predigte, blieb bei mir hängen:
„We are ordinary people, but we serve an extraordinary God.“
Die Gemeinde in Wychwood bietet neben dem Jugendgottesdienst Awana noch ein Sozialprogramm namens „Lambano“ an. Es umfasst vier Heime, in denen jeweils 8 Aidswaisen leben, und ein Hospiz für die sehr kranken Kinder. Ich habe am Montag dort volontiert. Es war nicht meine erste Begegnung mit Aidswaisen, dennoch ist es immer wieder hart zu sehen, welches Schicksal diese Kinder erleiden. Im Hospiz sah ich ein winziges Baby. Es ist kein halbes Jahr alt, taub und blind. Es isst nicht und wird deshalb über eine Sonde ernährt. Keiner weiß wie lange sie noch lebt. Aber da war auch dieser dünne kleine Junge, der letzte Woche hätte sterben sollen, aber aus irgendeinem Grund überlebt hat und nun sogar wieder laufen kann, sehr langsam und sehr schwach. Im Hospiz lebt man von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag.
Am Nachmittag half ich in einer Klasse aus, die von einer sehr netten alten Dame namens Mrs. Winsom unterrichtet wurde. Sie ist 80. Und ich habe selten eine so dynamische alte Frau erlebt, die so viel Geduld und Liebe für die meist zurückgebliebenen Schulkinder aufbringt, wie sie. Die meiste Zeit saß ich am Tisch eines hübschen Vierzehnjährigen und half ihm bei den Rechen- und Schreibübungen, die für die zweite Klasse bestimmt sind.
In einer Email ermutigte mich Mama für die Kinder zu beten, so wie Jesus es getan hat. Es scheint nicht viel Hoffnung für die Kinder von Lambano zu geben… „but we serve an extraordinary God”.
Am Dienstag volontierte ich in der Wychwood Baptist’s nursery school, einer Kindertagesstätte direkt neben der Kirche. Lustigerweise proben die Kinder bereits für das Krippenspiel das im Weihnachtsgottesdienst aufgeführt werden soll. Ich kam mir schon irgendwie komisch vor, in T-Shirt und FlipFlops Weihnachtslieder zu singen und die Weihnachtsgeschichte zu lesen…
Insgesamt war ich am Wochenende und bis heute bei drei verschiedenen „Hosts“ untergebracht: einem Single-Girl mit einer Schwäche für schicke Möbel und Kaffee, einem jungen Ehepaar mit einer eindeutigen Leidenschaft für Gemeinde und einer wundervollen, sommersprossigen Familie, mit denen ich auf meine dritte Safari im „Rhino and Lion Nature Reserve“ gegangen bin und meine „big five“ vervollständigt habe.
Bin sehr dankbar für die intensiven Tage, aber auch froh heute wieder zurück in meiner „home-base“ zu sein, hier in Südafrika, wo heute übrigens der Frühling beginnt.













