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Pretoria, Honeyridge, Ende?

Irgendwie ist Blogpflege nicht so mein Ding. Ich habe in den letzten Tagen immer mal wieder Versuche gestartet, die aber irgendwo zwischen den letzten Workshops und quality time mit meinen Gastfamilien verebbt sind. Die letzten zwei Wochen waren recht ereignisreich. Deshalb gibt es die Highlights jetzt eher stichpunktartig, aber immerhin mit Bildern.

Vorletztes Wochenende war ich im gewellten Pretoria, wo der Frühling schon etwas weiter ist als im trockenen Johannesburg, und dort an drei Abenden und einem Vormittag in einer afrikaanssprechenden Gemeinde. Glücklicherweise werden die Kinder dort schon ab der ersten Klasse englisch unterrichtet, so dass mich niemand während meines Workshops übersetzen musste. Jedoch konnte mir keiner übersetzen was diese süßen, kichernden Mädels sich während des Gemeinde – Braais geheimnisvoll ins Ohr flüsterten.

Untergebracht war ich bei einer wundervollen Frau namens Stephanie. Stephanie hat ein großen Herz und hat mich sehr verwöhnt. Was gibt es besseres als einen Samstagnachmittag mit Brownies und einer Tasse Kakao vor dem Fernseher zu verbringen und sich Filme anzuschauen? (Übrigens, Familie Korte, Stephanie hatte einen rothaarigen Kater namens Benji, der mich offensichtlich sehr an Benni erinnert hat. Zwar war er nicht ganz so dick, aber mindestens genau so faul)

Außer mir war Kyle*, ein Missionar aus Pakistan in dem schönen unordentlichen Haus mit den vielen Zimmern untergebracht, der sich gerade auf Heimaturlaub befand. Wir hatten viele gute Gespräche in Pyjamas und vor dem Fernseher. Gemeindebau in Pakistan, sagt er, ist eine heikle Angelegenheit. Zwar darf man dort Kirchen bauen, aber keine Gemeinde. Sobald die pakistanische Regierung mitkriegt, dass einheimische Muslime zur Konvertierung „überredet“ werden, wird man entweder im Gefängnis ein- oder dem Land ausgesperrt. Zudem ist das Land extrem gefährlich. Zwei seiner Freunde, die für eine christliche Hilfsorganisation als Augenärzte in einem Kabuler Krankenhaus arbeiteten, wurden im August auf ihrem Weg von Badachschan in die Nachbarprovinz Nuristan von den Taliban erschossen. Ich bin immer wieder beeindruckt von Menschen, die sich trotz Risiken für ein Land wie dieses entscheiden, um den Menschen dort christliche Wert zu vermitteln. Im Grunde wäre es klüger für Kyle und seine Frau ihr Licht in einem Land wie diesen nicht allzu hell scheinen zu lassen. Doch als Kyle lächelnd und strahlend von seiner Arbeit berichtete, dämmerte mir, dass er gar nicht anders kann.

Am Dienstag danach habe ich in der Maranatha Christian School in Kempton Park innerhalb 6 Stunden 11 unterschiedliche Klassen über die Arbeit von Wycliffe Bible Translators unterrichtet, was zwar anstrengend war, aber extrem viel Spaß gemacht hat. Im Vorfeld habe ich 500 Lesezeichen für jeden Schüler ausgeschnitten, deren Überreste von vier neugierigen Mädels originell recycelt wurden.

 Letztes Wochenende fand mein letzter Workshop in der Honeyridge Baptist Church am anderen Ende Johannesburgs statt. Zum letzten Mal habe ich südafrikanischen Kindern erklärt, dass es 6.913 Sprachen auf der Welt gibt, von denen über 2000 noch keinen Zugang zur Bibel haben, wie man eine Bibel übersetzt und wie sie dabei helfen können. Man weiß nie was man hinterlässt in diesen vielen Kinderherzen. Vielleicht habe ich potentielle Bibelübersetzer unterrichtet? Wer weiß das schon.

Auch diesmal hat meine Gastfamilie mich wieder gehörig verwöhnt und mich zu den schönsten Ecken Honeyridges gebracht (wovon es leider keine Bilder gibt, weil meine Batterien pünktlich zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben zu versagen) , nämlich zur Waterfront (wo ich seit Wochen mal wieder Wasser gesehen habe, wenn auch tümpelhaft), zum Monte Casino (was mich extrem an das Venitian in Las Vegas erinnert hat) und den Bird Gardens (wo ich mit einem Tukan flirtete und ein kunterbunter Papagei erst am Ohr und dann am Eis meines Gastvaters knabberte) und zu einem Restaurant namens „Boma“ wo es lauter südafrikanischer Spezialitäten gab, von denen ich so viel gegessen habe, dass ich dachte, es reiche für die nächsten 30 Jahre.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen habe ich in der südafrikanischen Frühlingssonne gesessen und allmählich realisiert, dass meine Zeit hier langsam zuende geht. Ich staune über die letzten 7 Wochen, die sich in Wirklichkeit viel länger anfühlen. Und es macht mich traurig, wenn ich daran denke Abschied zu nehmen. Und gleichzeitig freue ich mich auf zuhause. Doch zuerst freue ich mich auf meinen David, der in ein paar Tagen hier landen wird und dann gleich weiter mit mir nach Kapstadt fliegen muss, wo wir Robben Island, Table Mountain, Weinberge und viele andere Schönigkeiten bestaunen werden, bevor es zurück geht nach Deutschland.

Ps.

Das habe ich noch in meinen Notizen gefunden:

Seit über 7 Wochen lebe ich in der zweitgefährlichsten Stadt der Welt. Bisher wurde Ich weder ausgeraubt noch gekidnappt, belästigt, drangsaliert oder terrorisiert. Ich habe weder Kamera, Geld oder Handy an Kleptomanen verloren. Dafür allerdings die Freiheit. „Es ist schon paradox“, sagte mal einer meiner vielen südafrikanischen Gastmütter, „Wir sind die Eingesperrten, während sich die wirklich Bösen in Freiheit befinden“. Dass man ständig eingesperrt ist in diesen Hochsicherheitstrakten, umgeben von elektrischen Zäunen oder wahlweise mannshohen Mauern, Sicherheit auf Kosten der Freiheit – dieses Konzept kann einem sprichwörtlich auf die Nerven gehen. Deshalb gehe ich jetzt jeden Tag trotzig spazieren, mit Hund. Alles andere wäre naiv.

Seit Nampula bereue ich es sehr, dass ich im letzten Semester nicht meinem Instinkt gefolgt bin und Portugiesisch belegt habe. Habe es deshalb ganz nach oben auf die Liste der Veranstaltungen, die ich im nächsten und wohl letzten Semester an der Universität Bochum unbedingt noch besuchen will, geschrieben (neben Philosophie, Herr Weber).

Weil ich warten aber doof finde, habe ich der ersten Lernerfahrung vorweg gegriffen, nämlich so:

Auf dem nicht grade turbulenzlosen Rückflug von Nampula nach Johannesburg griff ich rein ablenkungshalber zu einer dieser Reisezeitschriften, die an die Passagiere verteilt werden um sie während des Fluges zu unterhalten und die über eher triviale Dinge berichten. In meiner Fluggesellschaft auf Portugiesisch und Englisch. Als ich mich so durch Mosambiks Flora und Fauna las, kam mir eine Idee. Sofort griff ich nach Papier und Stift und schrieb ein paar Phrasen heraus, zur Verwunderung meines Sitznachbarn der sich wohl fragte, warum ich so viel Interesse an Plattitüden wie „the grandeur of the region“, “the landscape is majestic”, “It’s simply fantastic” und schließlich “I try not to repeat myself. It’s hard” zeigte. Anyway. So verging der Flug wie in demselben und kaum war ich zuhause, bastelte ich meine Postkarte zusammen – auf Portugiesisch. Ich präsentiere euch stolz mein zugegebenerweise laienhaftes, aber durchaus kunstvolles Ergebnis:

 

 

Bin heute übrigens zum ersten Mal durch Johannesburg gelaufen. In Freiheit! Emanzipiert  und schwitzend, leider aber auch noch etwas schleppend (liebe Jogging-Queens, ich vermute ihr habt mich inzwischen mit eurer Kondition überholt). Schuld daran sind die durchaus hügelige Landschaft hier in sowie eine eher schlafarme Nacht neben den zwei platzeinnehmenden kleinen Enkelinnen meiner Gasteltern, die wenigstens für die letzte Nacht im selben Bett schlafen wollten wie ich. Wie kann man da nein sagen…

Vergangenes Wochenende war eigentlich ein Einsatz in Bloemfontein vorgesehen, der aber kurzfristig abgesagt wurde. Ebenso kurzfristig lud mich aber die Grace Baptist Church zu sich ein, wo ich am Freitag und Sonntag kleine Workshops für kleine Menschen durchgeführt habe.  Insgesamt war es sehr entspannt. Die Kinder haben gut mitgemacht und mich trotz meiner krächzenden Stimme verstanden.

 Am Samstag haben mich die Tibbits zu einem Soring Market auf dem Schulhof der Maranatha Christian School, in der ich übernächste Woche hospitieren und präsentieren werde, genommen, auf dem schon am Morgen gebraait und lauter hübsche Dinge verkauft wurden wie zum Beispiel diese bezaubernden Muffins.

Danach weiter zum Bruma Flea Market, Johannesburgs größter Flohmarkt, wo Touristen sich so richtig austoben können und Verkäufer einen auf Schritt und Tritt verfolgen („Special offering today,for you my  Sister“).

Der Buchladen war so ziemlich der einzige Ort, an dem ich in Ruhe gelassen wurde und Charles‘ Dickens klassische „Christmas Stories“ für wenig Geld ergattert habe. Insgesamt war es ein sehr entspanntes Wochenende. Grade richtig zur Halbzeit meines Aufenthaltes hier in Südafrika.  So richtig rekapitulieren kann ich noch nicht, dafür brauche ich den Kontrast in Deutschland. Bis jetzt kann ich aber nur eines sagen: wow!

Der heilige Boden der Trauer

photo by Søren Kjeldgaard

Missionare sind ordinäre Menschen wie du und ich. Sie sind keine Übermenschen. Auch sie haben ihre Fragen, ihre Freuden, ihre Schmerzen… Ich würde mit euch gern die Geschichte von Chris Lynden teilen, den ich während des Frühstücks in Nampula mit einer Missionarsfamilie kennen gelernt habe. Er klopfte einfach irgendwann an die Tür und setzte sich zu uns an den Tisch. Erst viel später habe ich erfahren, was in seinem Leben passiert ist.

Chris und seine Frau Ada haben seit 1996 als Bibelübersetzer unter der kleinen ethnischen Gruppe in Mosambik namens Koti gearbeitet. 2008 reisten sie für einen Heimaturlaub nach Großbritannien zurück. Aus dem geplanten Kurzurlaub wurde ein langer Aufenthalt, als bei Ada Krebs diagnostiziert wurde. Sie kehrte nie wieder nach Mosambik zurück.

Craig Combs hat Chris auf seine erste Reise zurück zu den Koti begleitet. Zusammen mit einem Photograph (Søren) dokumentierte er Chris‘ Geschichte. Søren fing den Moment ein, als Chris zum ersten Mal nach dem Tod seiner Frau in den Ort kam, wo das Koti Übersetzungsprojekt stattfindet. Seine mosambikanischen Kollegen umarmen ihn fest. Craig hat einen bewegenden Artikel über die Erfahrung dieses Momentes der Trauer in Chris‘ Leben geschrieben. Ihr findet ihn hier:

 http://www.wycliffe.net/Features/tabid/86/Default.aspx?id=1886&pg=1

Liebe Leute,

in den letzten Wochen habe ich Gottes Unterstützung „hautnah“ erlebt und eine leise Ahnung davon bekommen, dass Gott ein großzügiger Sponsor ist und seine Versorgung sich nicht nur auf Emotionen beschränkt, sondern auch andere wichtige Dinge des Lebens, wie zum Beispiel das liebe Geld. Meine Reise nach Mosambik war zum Beispiel nur möglich, weil ein anonymer Spender mir sowohl den Flug als auch das Visum und die medizinische Versorgung bezahlt hat. Dankbarkeit wird in diesen Tagen zu einem neuen Lebensgefühl.  

Dennoch möchte ich einen weiteren Spendenaufruf wagen. Nicht für mich, sondern für meine Kidz…

Wycliffe Südafrika hat sich für das Programm, das ich hier in den Kirchen durchziehe, ziemlich was kosten lassen. Da sind Workbooks, die wir an die Kinder verteilen und T-Shirts, die sie mit nach Hause nehmen und immer wieder tragen können. Die Kidz lieben diese T-Shirts

Sie sind ein integraler Bestandteil des Workshops „Kidz mish’N’counter“ und wir hoffen dass sowohl Workbooks als auch T-Shirts dazu beitragen, dass Wycliffe in diesem Land noch bekannter wird, aber vor allem: dass das Bewusstsein für Mission unter den südafrikanischen Kindern und Jugendlichen geschärft wird. Jedes T-Shirt repräsentiert ein Kind, das die Gute Nachricht über das Wochenende hinaus mit in seine Welt trägt.

Nun ist Wycliffe Südafrika, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, keine besonders reiche Organisation. Sie wird nicht so wie viele andere Hilfsorganisationen finanziell genährt, sondern ist auf Spenden anderer angewiesen. Da ihr Spenderkreis ziemlich klein ist, bezahlen die Mitarbeiter, die selber sehr wenig verdienen, deshalb vieles aus eigener Tasche. So auch das Material für meine Workshops. Wir haben 200 Tshirts für 8 Workshops bestellt. Ein Tshirt kostet 50 Rand, was umgerechnet etwa 5€ sind. Von 11,208 Rand wurden bereits 5,200 Rand bezahlt, so dass aktuell 6,000 Rand übrig bleiben (“Thank you, Lord, just over R6,000 to go . . . “).

5€ – das ist ein Fruchtbecher in einem Eiscafé oder ein ermäßigter Kinobesuch in Deutschland. Dinge auf die man im Sommer nicht gern verzichtet, ich weiß. Aber da der Sommer in Deutschland, wie ich höre, ja sowieso ins Wasser fällt und Videoabende auf der Couch viel günstiger und gemütlicher sind, als im Kino, möchte ich euch ermuntern das Geld stattdessen zu spenden

Wycliff hat „für Projekt 707171 SA“ ein besonderes Konto für dieses Projekt eingerichtet:

Wycliff. E.V., KD-Bank

 BLZ 350 601 90

 Konto: 1013 440 014

„für Projekt 707171 SA“

Think about it.

 Liebe Leute, tut mir leid dass ihr so lange auf meinen nächsten Blogeintrag warten musstet, aber in den letzten Tagen hatte ich eher rudimentären Internetzugang und zudem wenig Zeit zu schreiben… Bevor ich euch von meinen letzten Tagen erzähle, würde ich gerne mit diesem bezaubernden Mädchen angeben:

Willkommen Noemi Johanna! Wie schön, dass unsere Familie expandiert!

Worüber ich mich noch so freue…

 - Dass mein Liebster Ende September zu Besuch kommt und wir zusammen zurück nach Deutschland fliegen

- Frühling in Johannesburg

 - Sale

 - Keith Green’s Biographie (Danke Jungs, sie ist wirklich inspirierend!)

 Letzte Woche bin ich in 3 Flugzeuge gestiegen, um den wunderschönen Ort in Mosambik zu erreichen, der sich Nampula nennt. Nampula liegt im Norden Mosambiks und ist ganz anders als Johannesburg: die Straßen (das Wort „Schlagloch“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung), die Landschaft (Palmen, Palmen, Palmen vor unförmigen Bergketten) und natürlich die Sprache (Portugiesisch …♥).

 Zudem gibt es hier unzählige, freche Moskitos von denen ich kurz nach meiner Ankunft gleich drei Mal in den Rücken gepiekt wurde. Neben dieser eher feindseligen Begrüßung folgten viele freundliche, als wir das SIL Gelände erreichten. Karen und ich wurden in dem Haus unserer Freundin Peggy, einer Lehrerin aus den Staaten untergebracht. Die Leute auf dem Gelände sagen, dass es wohl das schönste Haus Nampulas ist und sie haben Recht.

Der Grund warum sich so viele Familien auf dem SIL Gelände tummelten war der, dass dort eine Konferenz über Heimunterricht stattfand. Während sich die Eltern sich also über Allgebra zwischen Bibelübersetzung und Kochtopf informierten, war es meine Aufgabe ihre zwei- bis dreisprachigen Kinder zu beschäftigen. Weil sie aber mit den meisten Dingen, die für beide Vormittage auf meinem Plan standen, bereits vertraut waren und lieber ihre Ferien genießen wollten, haben wir die meiste Zeit auf dem Boden der kleinen, aber opulenten Schulbibliothek verbracht – oder auf Bäumen.

Die Nachmittage waren frei. Erica, eine junge amerikanische Lehrerin, nahm mich an einem Nachmittag raus aus dem „weißen Enklave“ und rein in die Stadt Nampulas. Nampula ist nicht groß, aber auch nicht klein genug, um zu Fuß von einem zum anderen Ende zu laufen, wie wir es vorhatten. Also sprangen wir in einen „Hamahama“. Hamahamas, auch „Shopper“ genannt, sind Kleinbusse, die von gesellschaftlich anerkannten Verkehrssündern, die oftmals gar keinen Führerschein besitzen, gefahren werden. Da sie aber ziemlich preiswert sind und neben Flugzeugen zu den zuverlässlichsten öffentlichen Verkehrsmitteln hier gehören, sind sie meisten bis über den letzten Platz hinaus belegt. „Sitzplatz“ ist ein relativer Begriff in einem Hamahama. Rechts von mir, von zwei großen Taschen verdeckt, saß Erica, links eine stillende Mutter mit Baby, vor mir ein älterer Herr mit grauem Haar der mir ein zahnloses Lächeln zuwarf. So ziemlich der einzige, den ich in Nampula gesehen habe. Alte Menschen sind eine Rarität in Mosambik. Die meisten Menschen werden nicht älter als 40 Jahre. Das liegt vor allem an der schlechten ärztlichen Versorgung. Malaria ist eine häufige Todesursache. Aids gehört auch dazu.

Aids ist auch der Grund warum so viele Kinder ohne Eltern aufwachsen. Das Kinderheim, das Erica und ich an diesem Nachmittag besuchten, beherbergt ein paar dieser Aidswaisen. Schöne Kinder. Leider konnte ich sie nicht verstehen, da die einzigen portugiesischen Wortfetzen die ich kenne aus dem Lied „Garota de Ipanema“ stammen, das der Vater meiner brasilianischen Freundin Marcela mit mir auf ihrer Hochzeit gesungen hat – und die halfen mir nicht wirklich weiter. Die Kinder taten es aber, indem es ihnen egal war und sie mich trotzdem an die Hand nahmen, herumführten und meine Haare bewunderten.

Auf dem Rückweg erzählte mir Erica, dass viele von ihnen Aids haben und keiner so genau weiß, wie lange sie leben werden. Ihr Freund machte uns in ihrem Apartment ein afrikanisches Abendessen, „Schima“ und „Matapa“ mit Fisch, das wir ohne Besteck zu uns nahmen. Meine Finger rochen noch, als ich schon im Bett lag. Der Abschluss einer T.I.A. – Erfahrung die es absolut wert war!

Donnerstagmorgen frühstückte ich mit einer deutschen Missionarsfamilie, die ich bereits in Johannesburg, als sie grade frisch nach einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland zurück nach Afrika gekommen waren, kennen gelernt habe. Die Zeit mit Ihnen war wieder viel zu kurz, aber wertvoll. Kriege langsam den Eindruck, dass es sich bei Missionaren um ziemlich gewöhnliche Menschen handelt…

Danach zum Flughafen. Auf dem Rücken eines Pickup-Trucks. Bei den überdimensionalen Schlaglöchern nicht ganz so entspannend, aber die nampulanische Brise in meinem Gesicht war es mir wert.

Zurück in Johannesburg fand am Wochenende mein nächster Workshop in der Wychwood Baptist Church statt. Eine temperamentvolle Gemeinde mit einer vorbildlichen Einstellung. Freitagabend fahren unzählige Gemeindemitglieder mit ihren Autos durch die Umgebung um Kinder von überall her aufzugabeln um sie zu „Awana“, dem Freitagskindergottesdienst zu bringen. 120 von ihnen waren am Freitag anwesend! Über 30 am Samstag. Viel mehr am Sonntag.

Die Sonntagsschule findet vor dem Gottesdienst statt, so dass die Kinder mit dabei sein können. Bilderbuchhaft. Ein Satz von Roy Tibbit, ein langjähriger Missionar von Wycliffe, der an diesem Morgen im Gottesdienst predigte, blieb bei mir hängen:

 „We are ordinary people, but we serve an extraordinary God.“

 Die Gemeinde in Wychwood bietet neben dem Jugendgottesdienst Awana noch ein Sozialprogramm namens „Lambano“ an. Es umfasst vier Heime, in denen jeweils 8 Aidswaisen leben, und ein Hospiz für die sehr kranken Kinder. Ich habe am Montag dort volontiert. Es war nicht meine erste Begegnung mit Aidswaisen, dennoch ist es immer wieder hart zu sehen, welches Schicksal diese Kinder erleiden. Im Hospiz sah ich ein winziges Baby. Es ist kein halbes Jahr alt, taub und blind. Es isst nicht und wird deshalb über eine Sonde ernährt. Keiner weiß wie lange sie noch lebt. Aber da war auch dieser dünne kleine Junge, der letzte Woche hätte sterben sollen, aber aus irgendeinem Grund überlebt hat und nun sogar wieder laufen kann, sehr langsam und sehr schwach. Im Hospiz lebt man von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag.

Am Nachmittag half ich in einer Klasse aus, die von einer sehr netten alten Dame namens Mrs. Winsom unterrichtet wurde. Sie ist 80. Und ich habe selten eine so dynamische alte Frau erlebt, die so viel Geduld und Liebe für die meist zurückgebliebenen Schulkinder aufbringt, wie sie. Die meiste Zeit saß ich am Tisch eines hübschen Vierzehnjährigen und half ihm bei den Rechen- und Schreibübungen, die für die zweite Klasse bestimmt sind.

 In einer Email ermutigte mich Mama für die Kinder zu beten, so wie Jesus es getan hat. Es scheint nicht viel Hoffnung für die Kinder von Lambano zu geben… „but we serve an extraordinary God”.

Am Dienstag volontierte ich in der Wychwood Baptist’s nursery school, einer Kindertagesstätte direkt neben der Kirche. Lustigerweise proben die Kinder bereits für das Krippenspiel das im Weihnachtsgottesdienst aufgeführt werden soll. Ich kam mir schon irgendwie komisch vor, in T-Shirt und FlipFlops Weihnachtslieder zu singen und die Weihnachtsgeschichte zu lesen…

 Insgesamt war ich am Wochenende und bis heute bei drei verschiedenen „Hosts“ untergebracht: einem Single-Girl mit einer Schwäche für schicke Möbel und Kaffee, einem jungen Ehepaar mit einer eindeutigen Leidenschaft für Gemeinde und einer wundervollen, sommersprossigen Familie, mit denen ich auf meine dritte Safari im „Rhino and Lion Nature Reserve“ gegangen bin und meine „big five“ vervollständigt habe.

Bin sehr dankbar für die intensiven Tage, aber auch froh heute wieder zurück in meiner „home-base“ zu sein, hier in Südafrika, wo heute übrigens der Frühling beginnt.

Gute Tage.

Einsatz II liegt (fast) hinter mir. Heute Abend findet noch ein Gottesdienst statt, in dem ich das Vorrecht habe etwas über meinen Freund, Gott, zu erzählen (Spannung!!!). Danach fahre ich schnell zu Floors, meiner „home-base“, packe meine Koffer, schlafe ein bisschen und steh früh morgens wieder auf, um mit Karen nach Nampula zu fliegen. Einsatz III. Bis Donnerstag werde ich Missionarskinder unterrichten, auf die ich mich schon total freue! Dieses Wochenende habe ich einen Workshop mit der Jugendgruppe und der Sonntagsschule der St. James Presbyterian Church in Johannesburg durchgeführt. Sie befindet sich in einem östlichen Stadtteil namens Kensington, der zu den ältesten Bezirken der Stadt gehört und mit hübschen kolonialen Häusern gefüllt ist. Der Pastor der Gemeinde, Willem, und seine Frau haben mich am Donnerstagabend herzlich in ihrem Haus aufgenommen, das nicht weit von der Kirche entfernt ist und das ich ganz entzückend finde! Nach drei Tagen im Büro und 10 Tagen Abenteuer ahead war der Freitag wie ein Kurzurlaub für mich. Ich durfte ausschlafen, die hübsche Badewanne in meinem Bad benutzen, in Ruhe frühstücken, am Pool lesen… mmmmm (:

Nach einem kleinen Unmutsanfall Anfang dieser Woche (ihr könnt euch ja vorstellen, dass ständig wechselndes Asyl, unterschiedliche Kirchen und immer wieder andere Kinder in meinen Workshops etwas ermüdend sein können) bin ich mir sicher: das war ein Geschenk von Gott.

Am Samstag hat mich Willem sogar mit ins Apartheid-Museum genommen. Eine vierstündige informative und ernüchternde Reise durch die südafrikanische Geschichte.

 Ich hätte Lust euch ausführlicher über meine neuen Entdeckungen in diesem Land zu berichten, aber leider werde ich jeden Moment abgeholt (denn obwohl die Kirche nicht weit entfernt ist, darf ich hier nicht zu Fuß gehen).

 Liebe Leute, genießt das Privileg der Freiheit (zum Beispiel einen sorglosen Spaziergang)

Das Privileg zu haben

Ihr lieben treuen Blogleser, ich bin seit ein paar Stunden zurück in Johannesburg, wo es schön warm geworden ist. Hinter mir liegen wundervolle, schockierende, inspirierende Tage…

Bin am Mittwochmorgen mit der Schwester und der Tante meiner Gastmutter, die uns im 30-Minuten-Takt Süßigkeiten angeboten hat („Anyone go for a cookie?“), von Johannesburg über die N3 nach Howick gefahren. Die Fahrt hat ungefähr sechs Stunden gedauert, die jedoch wie im Flug vergingen, weil sowohl die Autoinsassen als auch die Landschaft sehr unterhaltsam waren. Wir haben eine majestätische Bergkette passiert

und „the world’s smallest church“ besucht – die einzige Kirche bei der ich mir sicher bin, dass ihre Bänke Sonntagsmorgens bis auf den letzten Platz belegt sind.

Howick liegt in der Provinz KwaZulu-Natal und hat über 84,000 Einwohner, von denen 90% Rentner sind. Die Zulu sind die wichtigsten touristischen Magneten der Provinz, wobei es wahrscheinlicher ist, einem mit Jeans bekleideten Zulu in Johannesburg zu begegnen, als einem in traditioneller Kluft in KwaZulu-Natal.  Es gibt eine Straße in Howick von der man, dreht man sich zu einer Seite, einen Blick auf luxuriöse Seniorenresidenzen und, dreht man sich zur anderen Seite, auf sogenannte „Squatterhomes“ hat, wo viele  Zulu in winzig kleinen Lehm- und Blechhütten leben. Ein immer wiederkehrendes,  schmerzhaftes Mißverhältnis.

Am Donnerstagmorgen hatte ich die Gelegenheit mir die Zustände in so einer Siedlung genauer anzusehen. Die Howick Community Church, in der ich am Wochenende meine Workshops gehalten habe, hat nämlich vor ungefähr 10 Jahren angefangen die nahegelegene Siedlung Mpophomeni zu unterstützen. Ihr Programm nannten sie „Ethembeni“ , was so viel heißt wie “Orte der Hoffnung”, die Mpophomeni bitter nötig hat:  43000 Menschen leben hier auf engstem Raum, 80% von ihnen sind arbeitslos und über 30% HIV infiziert.

Ethembeni unterhält vier spezifische Hilfsaktionen, unter anderem ein Pflegeheim für Aidskranke und ein Familienbetreuungsdienst. Die Leute von Ethembeni besuchen zwischen 45 und 50 Familien im Monat, insgesamt 200 Erwachsene und Kinder. Sie kümmern sich nicht nur um Kranke, sondern statten sie auch mit Nahrungsmitteln aus und helfen ihnen bei der Jobvermittlung. Natürlich spielt auch die psychologische Unterstützung eine sehr große Rolle in ihrem Dienst. In einem von Arbeitslosigkeit und einer so hohen Sterberate geprägten Ort wie diesen ist Hoffnung die wertvollste Spende. Bevor die Damen von Ethembeni sich zu ihren Patienten aufmachen versammeln sie sich vor dem Hospiz um eine kleine Andacht zu halten, so auch Donnerstagmorgen. Ich war so überwältigt von dem hoffnungsvollen Gesang der Zulu, der vom Hospiz, in dem ich ein paar Minuten vor der Andacht noch eine sterbenskranke Frau besucht habe, über die Dächer Mpophomenis klang.

Nach einer kurzen Andacht ging es auf ins Dorf. Wir haben insgesamt 4 Patienten besucht. Bei dem ersten handelte es sich um einen kleinen Jungen, Mpho*, der irgendwann plötzlich vor dem Haus eines Mannes stand. Keiner weiß wem er gehört oder woher er kommt. Die Aufgabe der Sozialarbeiter ist es nun genau das herauszufinden. Dafür brauchen sie alle möglichen Informationen. Um diese jedoch ist es spärlich gesät. Der Mann, dem Mpho „zugelaufen“ ist, weiß nicht mal wann er geboren wurde. Er konnte 3 sein, oder 4. Vielleicht 5. Während unseres gesamten Besuches habe ich gefroren. Ich weiß nicht ob es die Wände der Lehmhütte waren oder die Geschichte eines elternlosen Jungen, der nie Geburtstag feiern kann, die die Kälte ausstrahlten. Immerhin will der Mann Mpho unbedingt behalten. Dafür erfindet er sogar Geschichten für die er ins Gefängnis kommen kann, zum Beispiel, dass er sein Vater sei. Die Sozialarbeiterin hört sich alles an, stellt Fragen, die ich nicht verstehe, weil sie Zulu spricht. Zuletzt liest sie mit ihm in der Bibel. Bei unserer Verabschiedung setzt sich Mpho zu mir auf den Beifahrersitz und ich würde ihn gern mitnehmen.

Der nächste Patient ist ein HIV Infizierter, der uns stolz seine eigens gebaute Lehmhütte präsentiert und das Radio, das er gerade repariert, um es dann wieder zu verkaufen. Die Sozialarbeiterin unterhält sich mit ihm und liest mit ihm Offenbarung 3,11. „Halte fest, was du hast! Lass dich von niemand um deinen Siegeskranz bringen! Den, der siegreich aus dem Kampf hervorgeht, werde ich zu einem Pfeiler im Tempel meines Gottes machen, und er wird seinen Platz für immer behalten. Und auf seine Stirn werde ich den Namen meines Gottes schreiben…“. Hoffnung in Mpophomeni.

Von den restlichen Patienten werde ich euch hier auf meinem Blog nicht erzählen, das würde wohl meinen zeitlichen Rahmen sprengen. Aber wie ihr sicherlich schon gemerkt habt, war mein Besuch in dieser Siedlung ein sehr prägendes, schockierendes Erlebnis. Eine Stunde später fand ich mich mit Jeff, Heather und dem Pastorenehepaar Brenda und Murray in einem Restaurant mit funktionierenden Sanitäranlagen und einer opulenten Menükarte wieder. Ich habe mich fast ein bisschen geschämt. Murray sagt, dass 80% der Weltbevölkerung so wie die Menschen in Mpophomeni leben und dass wir, wenn wir zwischen zwei Kleidungsstücken wählen können, bereits zu den 5% der wirklich reichen Bevölkerung gehören. Wir sind privilegiert.

Es ist nicht nur ein Privileg Kleider, ein warmes Bett und fließend Wasser zu haben, sondern auch die Bibel in seiner eigenen Sprache, eine Kirche und Menschen, die einem die Bibel erklären. Darum ging es in meinen Workshop „mishNcounter“, der Freitag und Samstag mit der Howick Community Church Jnr. Youth stattfand.

Ich hatte so viel Spaß mit den Kindern! Ihre Aufmerksamkeitsspanne war größer als ich erwartet hatte und so hatte ich viel Zeit Ihnen zu erklären, was die Leute von Wycliff machen und warum das so wichtig ist. Besonders beeindruckend fand ich dieses Bild eines kleinen Mädchens, das sie auf ihren „Thank you&pray for others-cube“ gemalt hat.

Zwischen den Workshops war ich in einem wunderhübschen Haus bei einer tollen Familie untergebracht, die mich sehr warm aufgenommen haben – sprichwörtlich: Sie haben mich mit einer Heizung und einer Wärmedecke ausgestattet, so dass ich Mittwochnacht, nach einer Woche, endlich wieder ohne Socken schlafen konnte! Außerdem konnte ich seit über einer Woche mal wieder Deutsch sprechen, weil mein Gastvater deutscher Herkunft ist. Muss allerdings zugeben, dass mir das fast schon ein bisschen schwer gefallen ist, die richtigen Wörter zu finden. Ihr Haus steckt voller kleiner Schönigkeiten – lebende, wie dieser kleine Gecko der mit mir geduscht hat

 („T.I.A. – This is Africa“ pflegt mein Howicker Gastvater zu sagen) und nichtlebende, wie die Aquarelle ihrer Tochter Heidi, ein hübsches, blondes, quietschfideles Mädchen mit einem supersüßen Lachen. Ich hab sie und ihre Eltern sehr lieb gewonnen. Leider habe ich sie nur selten gesehen, aber wann immer es ging, haben sie mich in ihr Auto gesetzt und mir wunderschöne Orte gezeigt, wie zum Beispiel den Lake Midmar in der Samstagabendsonne

und das Umgeni Valley Nature Reserve, ein Naturreservat. Es beherbergt nicht nur wunderschöne Pflanzen und Tiere sondern auch die Toilette mit der schönsten Aussicht der Welt.

Südafrikanische Gastfreundschaftlichkeit ist eine Sache, die ich mitnehmen will nach Deutschland. Eine andere ist das geschärfte Bewusstsein über die Privilegien, die wir in unseren westlichen Gefilden genießen, aber eben auch teilen können.

*der Name wurde von der Redaktion geändert ;)

Into the Wild

Uiuiui jetzt bin ich schon fast eine Woche hier und habe noch nichts auf meinem hofierten Blog hinterlassen. Eigentlich bin ich viel zu müde, aber ich kenne ein paar Menschen, die auf einen Eintrag und Fotos warten, also werde ich jetzt meine Konzentration bündeln und losbloggen…

Ich bin am Dienstagabend ins Flugzeug gestiegen und nach Dubai geflogen. Nach einem unplanmäßig tränenschweren Abschied von meinem Liebsten am Düsseldorfer Flughafen (ich hatte eigentlich geplant nicht zu weinen, aber ihr wisst ja wie das ist… Mädels) und einem gescheiterten Aufmunterungsversuchs eines Sicherheitsbeamten während des Security Checks („Weinen Sie doch nicht, junge Frau“), überraschte mich eine Stewardess beim Boarding mit einem Business-Class-Ticket. Ich schritt nun nicht mehr weinend, sondern grinsend den Korridor zum Flugzeug hinunter. Den bequemen Sitz und die beinahe kilometerweite Beinfreiheit feierte ich erstmal mit einem Glas Champagner!

Den Rest verkneife ich mir. Nur so viel: Ich war so damit beschäftigt den Komfort eines Business-Class-Tickets zu genießen, dass ich gar keine Zeit hatte Angst zu haben. Gott ist ein freundlicher Gott.

In Dubai waren es bereits um 6.00 Uhr 35°C. Natürlich war die Abflughalle klimatisiert und natürlich fand ich dort Starbucks, wo ich meine Wartezeit mit einem köstlichen, nicht-aeroplanen  Kaffee auf einem gemütlichen, olivfarbenen Sofa verbrachte (Liebste Schwägerin, vielen Dank für deine restlichen Dirhams!).

Der zweite Flug dauerte ungefähr 3 Wochen, aber als ich endlich in Johannesburg ankam, waren Monotonie und Verspannungen schnell vergessen. Meine Gastfamilie, die Floors, nahmen mich mit so einer Herzlichkeit auf, dass ich mich hier direkt vom ersten Abend an zuhause gefühlt habe. Ebenso im Büro. Gleich am ersten Tag fand dort ein Treffen mit vielen Wyclifflern statt, die mich so liebevoll begrüßten, als hätten sie schon sehr lange auf mich gewartet (Eine Frau war gerade erst in Deutschland und hat mir zur Begrüßung ein großes Sortiment Meßmer-Tee geschenkt, suuwheeet!). Das haben sie, versicherte mir eine Dame. Sie sind sehr gespannt auf das Projekt und legen große Hoffnung hinein. Um das Projekt und die Workshops habe ich mich in den ersten Tagen hier in Johannesburg intensiv gekümmert. Ich saß viel am Computer und hatte wenig Zeit die Gegend zu erkunden. Mir wurde klar: das hier ist kein Urlaub.

Trotzdem hatte ich hier und da die Möglichkeit etwas mehr als nur das Büro zu sehen und habe festgestellt: Johannesburg steckt voller Diversitäten. In keiner anderen Stadt, in der ich war, waren die Trennlinien zwischen Arm und Reich so offensichtlich wie hier. Während in üppig begrünten Vororten  hinter hohen Mauern und Stacheldrahtzaun (sogenannte „fenced communities“) opulente Villen der Weißen  prunken, dehnen sich nur ein oder zwei Meilen entfernt davon weite Barackensiedlungen aus, in denen Millionen Schwarze in großer Armut leben. Kriminalität ist das wahrscheinlich größte Problem des Landes. Johannesburg gilt als gefährlichste Ecke. Aber macht euch keine Sorgen! Die meisten Wohnhäuser sind mit Alarmanlagen, Gittern, hohen Zäunen und elektronisch gesteuerten Eingangstoren ausgestattet – und mit Hunden. Bei Floors ist es genauso. Ihr Wachhund ist eine folgsame Hündin namens Anquilla mit treuen Augen, aber einem entwaffnenden Knurren.

Heute, am 9. August 2010, ist National Women’s Day in Südafrika. Der nationale Frauentag gedenkt dem Frauenmarsch vom 9.August 1956. Damals versammelten sich ca.20.000 Frauen vor dem Union Gebäude in Pretoria, um gegen das Passgesetz zu demonstrieren. Wir haben den Feiertag genutzt, um aus der Stadt rauszukommen. Wir, das waren Floors, Heather und Jeff (ein junges Ehepaar aus den Staaten, mit dem ich am Mittwoch nach Howick fahren werde) und ich sind in den etwa zwei Stunden entfernten Pilanesberg National Park gefahren. Allein der Weg dorthin war beeindruckend, wurde aber vom Wildschutzgebiet mit seiner von Bergen eingerahmte Savanne und der immensen Artenvielfalt getoppt.

Wir haben einige Tiere gesehen! In der Mittagszeit unterbrachen wir unsere kleine Safaritour mit einem braai am wunderbar blauen Leopardensee. Braai ist kurz für braaivleis, dem afrikaansen Wort für „Fleisch vom Grill“, also quasi BBQ. Traditionell wird dabei immer boerewoers gebraten, eine grobe Bratwurst und südafrikanische Spezialität. Mittelmäßig lecker.

Beim Braai wurden wir von vier furchtlosen vervet monkeys observiert, die großes Interesse an unserem Essen zeigten. Der zweite Teil unserer Safari war sehr ergiebig, als plötzlich eine Horde Elefanten unseren Weg kreuzte und ein Nashorn ungerührt der vielen Touristen in die Savanne pinkelte. Insgesamt konnten wir zwei von den  „big five“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Safari), eine wunderschöne Giraffe und Zebras sehen.

Es tat so gut aus der Stadt rauszukommen und frische Luft, wunderschöne Tiere, beeindruckende Natur zu genießen. Habe den Tag sehr genossen, wohlwissend dass es morgen früh wieder zurück ins Büro geht und am Mittwoch meine Arbeit hier in Südafrika „richtig“ beginnt.

Wenn 15 Leute bei Außentemperaturen von über 30°C freiwillig den ganzen Tag in einem unklimatisierten Seminarraum verbringen, um sich mit Sprachforschung und deren praktische Anwendung in der Bibelübersetzung auseinanderzusetzen, kann das nur eines bedeuten: entweder sind sie total bescheuert oder begeistert von Gott.

Letzteres traf auf die Teilnehmer des Grundkurses „Spracharbeit im Überblick“ vergangene Woche in Burbach zu. Wycliff öffnete seine Türen für Neugierige, die sich tagelang mit Phonetik, Phonologie, Grammatik, Semantik und Bibelübersetzung beschäftigten. Ich habe mich erst am Donnerstagabend dazugesellt und war zunächst geschockt vom straffen Stundenplan (Von morgens bis abends Kurse – an einem Freitag! Der Alptraum einer Studentin…), dann aber begeistert, vor allem von Bibelübersetzung.

Festhalten für euch treue Leser will ich folgendes:

Eine Bibel lässt sich gar nicht so einfach übersetzen. Wie zum Beispiel soll man den Eskimos, die über 20 verschiedene Worte für „Schnee“, aber keine Ausdrücke für viele Pflanzen und Tiere aus dem subtropischen Wüstenklimas Israels kennen, erklären, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem kam und die Einwohner ihn begeistert begrüßten, indem sie mit Palmenblättern um sich wedelten? Bibelübersetzer zu sein ist gar nicht so leicht. Davon konnte Luther sicherlich ein Liedchen singen, denn auch er hatte seine Probleme mit unserer Sprache. Zu seiner Zeit waren viele Begriffe aus der Bibel hierzulande unbekannt. Deshalb fand er Lösungsmöglichkeiten für fehlende Wörter, die uns bis heute nicht weh tun. Ob nun eine Lilie oder eine Anemone Coronaria auf dem Feld steht und wächst (Matthäus 6, 27)…

Es gibt Möglichkeiten, um die Löcher in der Sprache zu stopfen. Das macht bestimmt nicht immer Spaß, kann aber, wie in dem Fall der Azteken von Zacapoaxtla in Mexiko sehr bezaubern: „Glauben“ bedeutet in ihrer Sprache nämlich „dicht hinter dem Anführer (der den Weg kennt) gehen“.

Es hat sich also gelohnt die strapaziösen und fast dramatischen Bedingungen in unklimatisierten öffentlichen Verkehrsmitteln auf mich zu nehmen und in das kleine Siegerländ’sche Dorf und wieder hinaus zu fahren. Auf der Rückfahrt, bei gefühlten 40°C (ein Motz-Beitrag über meinen Freund, die deutsche Bahn, wird in Kürze folgen…) fiel mir das Lied ein, in dem es heißt „You are beautiful beyond description, too marvellous for words“ und ich dachte, vielleicht hat der alte Shakepeare recht, wenn er sagt, dass es mehr Ding’ im Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt. Und das es nicht so schlimm ist, wenn es nicht immer gelingt, einen so großen und schönen Gott wie unseren in Wörter einzusperren…

Schwer beeindruckte Grüße

Pfannenkuchenstimmung!

…aktuell nicht in Deutschland, aber in mir.

Habe heute erfahren, dass ich nur zwei statt drei Hausarbeiten schreiben muss. Das war wie als hätte Gott Konfettiregen über mein Haupt gestreut. Eine davon liegt bereits in den letzten Zügen, für die andere habe ich noch nach Südafrika genug Zeit. Die Gedanken sind nun frei für die anstehenden Prüfungen. Habe die Leichtigkeit jedoch erstmal mit einem Stadtbummel gefeiert, statt vorm Laptop.

Entspannte Grüße

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